Die beiden sowohl in der Theorie als auch in der Anwendung verankerten Finanzmarktforscher Eugene Fama und Kenneth French haben auf ihrer amerikanischen WebSite http://www.dfaus.com ein interessantes Forum etabliert, welches wir unseren Kunden hiermit auch in deutscher Sprache verfügbar machen möchten. Das Fama-French-Forum besteht aus aktuellen Kundenfragen und den entsprechenden Antworten, die strikt aus portfoliotheoretischer Sicht formuliert sind. Ein erläuternder Kommentar rundet die jeweilige Frage ab.
Frage: Market Timing mittels Moving Averages (11.10.2010)
Einige Forscher argumentieren, dass eine Market-Timing-Strategie aus Kauf- und Verkaufssignalen, der ein 50- oder 200-Tage gleitender Durchschnitt zugrunde liegt, ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis bietet als ein reiner Buy-and-Hold-Ansatz. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Antwort Fama/French:
Hierbei handelt es sich um ein altes Märchen, für das es keinerlei empirische Belege gibt.
Kommentar Prof. May:
Diese knappe Antwort wird dem einen oder anderen Leser vielleicht unangemessen, ja sogar unhöflich erscheinen. Sie müssen jedoch berücksichtigen, dass die beiden Herren Fama und French eine Jahrzehnte andauernde Schlacht hinter sich haben, in der es genau um diese Frage ging - und sie haben diese Schlacht gewonnen! Vor diesem Hintergrund ist die knappe Antwort vielleicht zu verstehen.
Frage: Ein „Markt für Stock Picker?” (27.09.2010)
Viele Experten charakterisieren das aktuelle Umfeld des Aktienmarktes als einen „Stock-Picker-Markt." Gibt es Hinweise, dass eine gezielte Titelauswahl unter bestimmten Marktbedingungen erfolgreicher ist, als ein breit gestreutes Portfolio?
Antwort Fama/French:
Es kann sich hier um keine allzu große Experten handeln, denn - wie schon William Sharpe 1991 deutlich machte – handelt es sich bei der Ihrer Frage zugrundeliegenden Aussage um einen arithmetischen Trugschluss. Dies kann durch folgende einfache Überlegung gezeigt werden: In der Summe halten alle Anleger gemeinsam nicht anderes als den Markt. Dies bedeutet, dass das „Alpha“ vor Gebühren und sonstigen Kosten für die Gesamtheit der Anleger immer Null sein muss. In unserem jüngsten wissenschaftlichen Beitrag konnten wir nun zeigen, dass auch passiv gemanagte Investmentfonds im Aggregat tatsächlich ihrer Benchmark entsprechen, d.h. ihr Gesamt-Alpha ist ebenfalls gleich Null. Was bedeutet dies für die aktiv gemanagten Fonds? Wenn sowohl die Gesamtheit aller Anleger als auch passiv gemanagte Fonds im Durchschnitt eine Alpha von Null aufweisen, dann folgt zwingend, dass dies im Durchschnitt auch für aktiv gemanagte Fonds gilt: Vor Gebühren und sonstigen Kosten haben also auch aktiv gemanagte Fonds (Stock Picker und alle anderen Ansätze) im Durchschnitt immer ein Alpha von Null, und zwar unabhängig von den Marktbedingungen. Aktive Investoren können nur auf Kosten anderer aktiver Investoren gewinnen.
Kommentar Prof. May:
Als „Alpha“ wird der Renditeanteil in einem Portfolio bezeichnet, der durch die spezielle Managementleistung hinzugefügt wird. Die gestellte Frage läuft also darauf hinaus, dass speziell im aktuellen Marktumfeld der Stock Picking Ansatz ein positives Alpha aufweist. Dies aber kann rein logisch gar nicht sein, wie in der Antwort deutlich wird.
Frage: “Rohstoff-Exposure“ mit Aktien? (20.09.2010)
Ist es zu empfehlen, eine Rohstoffengagement durch den Kauf von entsprechenden Aktien anzustreben?
Antwort Fama/French:
Viele Unternehmen halten long-Positionen in Rohstoffen und profitieren, wenn die Rohstoffpreise steigen. Energie-Unternehmen, zum Beispiel, verfügen über Reserven an Öl, Gas und Kohle und machen Gewinn, wenn die Energiepreise steigen. Andere Unternehmen wie Fluggesellschaften müssen Rohstoffe kaufen und leiden darunter, wenn die Preise steigen.
Grundsätzlich ist es also möglich, dass Anleger ihr Engagement im Rohstoffsegment dadurch steuern, das Sie die Anteile an Unternehmen erhöhen oder reduzieren, die positiv oder negativ den Bewegungen an den Rohstoffmärkten ausgesetzt sind. Dabei handelt es sich aber um keine besonders effiziente Art und Weise, das Rohstoffengagement zu steuern. Die Wertentwicklung der wenigsten Unternehmen hängt hauptsächlich oder gar ausschließlich an der Entwicklung der Rohstoffpreise. Ölraffinerien und Fluggesellschaften, zum Beispiel, werden auch von Lohnkosten, Regulierungen, Steuern, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und vielen anderen Faktoren beeinflusst. Ein Anleger, der sein Engagement in Öl durch die Erhöhung seines Anteils an Ölraffinerien oder Fluggesellschaften anpasst, verändert damit zugleich auch das Ausmaß, in dem er all diesen anderen Faktoren ausgesetzt ist.
Kommentar Prof. May:
Beachten Sie, dass hier keine Meinung dazu abgegeben wird, ob Rohstoffengagements grundsätzlich sinnvoll sind. Es wird nur die Frage thematisiert, wie man es tun sollte, wenn es gewünscht wird. Als Alternative zur „exposure“ in Rohstoffaktien, von der ja abgeraten wird, bieten sich ETF auf Rohstoff-Indizes an.



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